Mädchen June

Mädchen June (Musiker, Autor, Multimedia- und Installationskünstler) geboren am 6.12.1978 in Leipzig

Mädchen June erschuf 2003 seinen eignen kleinen Kosmos mit Namen Vernom Laternen Lichtproduktion. Er begann diesen mit den ersten Alben zu beleben, die noch in kleiner Auflage im dem Label veröffentlicht wurden. Nachfolgende Alben erschienen in höherer Stückzahl in Kooperation mit anderen Labels. Im Jahr 2004 entstand der erste Film "Liehmena". Bis heute ist Madchen June der Filmkunst treu geblieben, ständig kreiert er mit einfachsten Mitteln seine Clips. Beinahe jedem Album werden bis zu drei dieser experimentelle Filme auf DVD beigelegt, thematisch angelehnt an die Musik.

 

Die Arbeiten von Mädchen June einem Genre zuzuordnen, ist nahezu unmöglich, denn sie berühren verschiedene Gebiete. Seine Musik wirkt ausnehmend dunkel und experimentierfreudig.

 

Mädchen June weigert sich, seinen Arbeiten intellektuell zu verorten. Das Schaffen von Mädchen June zielt auf eine unnahbare und schwer verständliche Kunst, die sich teilweise unbedacht naiv gibt. Seine Arbeiten drehen sich um den Tod, das Verruchte, das Verlorene, das Unfassbare, die unerfüllte Sehnsucht. Hierin zeigt sich seine ablehnende Haltung gegenüber dem, was allgemein als Realität gilt. Auf seinen Alben schafft er sich sein eigenes fiktives Universum, dass sich mit wahren historischen Begebenheit vermengt und so die Grenzen zwischen geschichtlicher und phantastischer Erzählung verschwimmen lässt. Die handelnden Charaktere entstammen oft dem Deutschland der Wilhelminischen Ära oder der Zeit der Weimarer Republik.

Diese Epochen sind für Mädchen June die widersprüchlichsten und verhängnisvollsten der deutschen Geschichte und bieten so einen unerschöpflichen Fundus für skurrile Begebenheiten und extreme Situationen. Dabei werden immer wieder auch Parallelen zur Gegenwart sowie zur amerikanischen Geschichte und deren Persönlichkeiten gezogen. Den roten Faden oder, wenn man so sagen kann, das geistige Fundament der Arbeiten von Mädchen June, bildet ein Reisebericht von Jud Skarlet und seinem Freund Erich Zann, der im Mädchen June-Universum im Jahr 1922 veröffentlicht wurde. In ihm werden Persönlichkeiten wie die Musiker von The Neverland Stars, Parma Day und Vivian Gabin dem Vergessen entrissen. Die Arbeiten von Mädchen June stehen in der Tradition des ernstzunehmenden Trashs, des romantischen Nihilismus, des Dadaisnus oder der Proletkunst, einer sicher sehr polemischen Bezeichnung, in der sich für Mädchen June in erster Linie die Nichteinhaltung künstlerischer bürgerlicher Normen manifestiert.